BaFUCK. Die BAföG-Rückzahlung. Ein Selbstversuch. Folge 1

Als Studentin recht exotischer Fächer wie „Kultur- und Sozialanthropologie“ oder „Literatur und Medienpraxis“ wäre ich nicht verwundert gewesen, wenn meine Eltern mir das Studium aus Angst vor Arbeitslosigkeit schlichtweg verboten hätten. Haben sie aber nicht. Ich bin mir aber sehr sicher, dass sie leise gezittert haben, mich für den Rest meines Lebens durchfüttern zu müssen. Die Sorge war Gott sei Dank unberechtigt – und während des Studiums besagter Orchideenfächer versorgte mich Vater Staat. Ich bekam BAföG. Nicht viel, aber ich kam durch.

Und nun will er sein Geld zurück.

Die Hälfte dessen, was er mir zinslos gegeben hat, kein schlechter Deal, keine Frage, ich möchte auch beileibe nicht über das BAföG meckern. Aber über Bürokratie.

Begleitet mich, sofern ihr stark und Willens genug seid, auf eine Reise durch den Papierkramdschungel.

 

Folge 1: Die Ruhe vor dem Sturm.

Januar 2015

Mein kleines, naives Selbst sortiert zufällig Dokumente und denkt sich: „Hm, das BAföG-Amt meldet sich fünf Jahre nach Studienende, ich war 2013 fertig, da habe ich ja noch Zeit“, googelt aber (warumauchimmer!) sicherheitshalber „bafög rückzahlung“.

Google antwortet: „Nein, du Dummchen. Du wirst fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer angeschrieben.“

Ich: „Förderungshöchstdauer?“

Google: „Und du hast studiert? Hast du nicht aufgepasst? Förderungshöchstdauer = deine Regelstudienzeit.“

Ich: „Naja, ich habe 2007 mit dem Bachelor angefangen, den ich innerhalb der Regelstudienzeit 2010 abgeschlossen habe, direkt im Anschluss habe ich einen Master angefangen, für den habe ich auch noch Geld bekommen bis zum Ende der Regelstudienzeit dieses Masters. Ich hab halt länger gebraucht. Warum melden die sich dann nach Ende des Bachelors und nicht nach Ende des Masters bei mir? Ich könnte ja immer noch Masterstudent sein und kein Geld für die Rückzahlung haben.“

Google: „ ‚Die Rückzahlung beginnt fünf Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer (bei Bachelor/Master bezogen auf den Bachelor).’ Warum kann ich dir nicht sagen, isso!!!“

Ich: „Okay, ist ja gut. Verstehe ich nicht, aber egal. Ach du kacke. Wir haben 2015. Dann melden die sich ja bald bei mir.“

Doch wo würden sie sich melden? Bei meiner Anschrift im Masterstudienort? Wahrscheinlich, das ist die letzte Adresse, die die kennen. Oh.

googelt: „bafög adressänderung“

Ach du Kacke! Die kassieren 25 Euro, wenn die meine Adresse rausfinden müssen. Oha, und nicht das BaföG-Amt meldet sich bei mir, sondern das Bundesverwaltungsamt (BVA). Das klingt ja noch hochoffizieller. Ich kann denen meine Adresse aber schnell online geben, puuuh. Gebe denen die Adresse meiner Eltern, wer weiß, wie oft ich noch umziehe.

Sicherheitshalber aber auch noch einmal dem BaföG-Amt an der Masteruni gemailt. Von beiden Ämtern habe ich innerhalb eines Tages (!) jeweils eine Bestätigung bekommen, dass meine neue Adresse registriert wurde. Vom BVA sogar postalisch.

Die Monate gehen ins Haus, ich rechne damit, dass sie sich irgendwann im Oktober melden werden.

 

Juli 2015

Whatsapp-Nachricht von Muttern: „Hier ist so ein Brief!!“

Wundert euch nicht, das Handy ist für die korrekte BAföG-Schreibweise verantwortlich, nicht ich.

Warum melden die sich schon?

Beamtendeutsch. Ah. Lesen. Weglegen. Stück Schokolade. Noch einmal lesen. Hm, okay:

Sie melden sich jetzt, weil sie festsetzen, dass meine Förderungsdauer am 1.10.2007 begann, das Ende der Förderungshöchstdauer war somit der 30.09.2010 (weil sich die Zeitberechnung ja nur auf den Bachelor bezieht, obwohl ich jetzt natürlich direkt alles zusammen zurückzahlen muss?!). Sie melden sich viereinhalb Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer, damit ich direkt fünf Jahre danach mit der Rückzahlung beginnen kann. Sie erwarten die Abstotterung der Raten (festgesetzt auf 315 Euro pro Quartal) ab 1.10.

Wenn ich alles auf einmal bezahle, kann ich das bis zum 1.12. tun. Verpasse ich aber den Beginn der Ratenabstotterung, sprich, 1.10., muss ich Strafe zahlen. Bescheid geben, dass ich alles auf einmal zahlen möchte, kann ich aber nicht, mir wird nur ein Konto zur Einzahlung genannt. Ehm. Okay. Heißt für mich, der 30.09. ist für mich der letzte Tag, an dem ich den ganzen Batzen auf einmal zurückzahlen kann. Ah, Moment, nochmal das Kleingedruckte gelesen. Auch das kann ich online beantragen. Gut.

Denn: Wenn ich alles auf einmal zahle, kann ich (in meinem Fall) 1.000 Euro sparen.

Und eine andere Frist: Ich kann Anträge auf „Teilerlass“ stellen. Aber das muss innerhalb von vier Wochen geschehen. (Schön, dass der Brief auf den 12.07. datiert ist und ich ihn am 20.07. erhalten habe.) Teilerlass heißt: Ich kann theoretisch aufgrund von guter Leistung oder von Geschwindigkeit beantragen, dass ich weniger zurückzahlen muss. Letzteres ist ein ziemlicher Witz: Wenn ich den Abschluss vier Monate vor eigentlichem Ende erhalten hätte, wären es 2.000 Euro (!) weniger, zwei Monate vorher brächten mir 1.000 Euro Erlass. Geht relativ schlecht in einem getakteten System wie Bachelor/Master, vor allem in seiner chaotischen, unstrukturierten Anfangsphase. Aber das ist nur meine Meinung, ein paar Überflieger bekommen das bestimmt hin. Schade nur: Das Recht auf Antrag haben nur jene, die ihren Anschluss bis 31.12.2012 erlangt haben.

Aber ist nett gemeint, Bundesverwaltungsamt, nett gemeint.

 

 

Kurzum:

  • Das Bundesverwaltungsamt meldet sich, um die BAföG-Schulden zurückzuholen. Muss dieses Amt die aktuelle Adresse erst ausfindig machen, berechnet es 25 Euro dafür. Gib ihnen einfach schnell online deine aktuelle Adresse.
  • Das Bundesverwaltungsamt meldet sich viereinhalb Jahre nach Ende der Förderungshöchstdauer. Sprich, wenn du bspw. bis September 2012 Geld bekommen hast, kommt der Bescheid im Frühjahr 2017.
  • Stelle innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids Anträge auf Teilerlass, falls du dein Studium bis zum 31.12.2012 abgeschlossen hast.

 

Folge 2: Im Auge des Tornados