„Das Bewusstsein für faire Mode steigt“ – Mona Schütt vom Shop Oma Klara

Oma Klara_Mona Schütt

Dass die Liebe zu schönen Stoffen Mona Schütt in den Genen liegt, machte sich spätestens in ihrer Schulzeit bemerkbar: Taschengeld wurde erfolgreich in Kleidung investiert und Monas Coolnessfaktor auf dem Schulhof stieg erheblich. Als es an die Berufswahl ging, schlug sie aber zunächst einen anderen Weg ein – und hielt beim LKA nach einiger Zeit die Urkunde zur Verbeamtung auf Lebenszeit in den Händen. Was einige in Verzückung geraten lässt, brachte Mona zum Grübeln. Sie kündigte nach ein paar Jahren und verkauft seit 2014 auf oma-klara.de Vintage-Mode mit Seele – und ist dabei Schatzsucherin und Zeitreisende.

Arbeit ist… erfüllend und manchmal eine Berg- und Talfahrt.
Mode ist… meine Arbeit und meine Leidenschaft, etwas, mit dem ich mich ausdrücke.
Wenn ich durch die Zeit reisen könnte, würde ich trotzdem im Hier und Jetzt bleiben und mich viel lieber durch die Kleidergeschichten der Seniorinnen in vergangene Jahrzehnte zurückversetzen lassen.
Wer mich beeindruckt | Menschen, die etwas vorantreiben, ihre Träume verwirklichen und für ihre Überzeugungen eintreten.
Worauf ich verzichten kann | Nicht gelebte Träume, Kaffee ohne Zucker, Intoleranz
Stimmungsheber-Song | Lumineers – Flowers in your hair
Schmeckt immer | Thailändische, koreanische und chinesische Küche. Zum Frühstück: Kaffee und Nutellabrot

Mona, mit Oma Klara hast du 2014 den beruflichen Sprung in die Mode gewagt. Zu welchem Kleidungsstück greifst du im Moment am allerliebsten?
Mir ist tatsächlich erst kürzlich aufgefallen, dass ich die totale Blusenträgerin bin. Immer wenn ein Termin ansteht, egal welcher Art, greife ich zu einer Vintage-Bluse. Am liebsten zu einer mit Bübchenkragen.

Apropos Vintage – Kannst du kurz erklären, was es mit dem Konzept von Oma Klara auf sich hat? Was macht es so einzigartig?
Bei Oma Klara werden Vintage-Kleiderschätze direkt aus den Kleiderschränken von älteren Damen an die jüngere Generation weitergereicht. Neben dem Kleidungsstück geben die Seniorinnen zudem ihre persönlichen Erinnerungen an die Kleidungsstücke in Form von Kleidergeschichten an die neuen Besitzerinnen weiter. Dadurch findet ein generationsübergreifender Austausch statt, der weit über die Kleidung hinausgeht. Seniorinnen wissen ihre Kleiderschätze in guten Händen und werden am Verkaufserlös beteiligt.

Mona notiert sich die Geschichte hinter den Kleidungsstücken - und gibt sie weiter.

Mona notiert sich die Geschichten hinter den Kleidungsstücken und gibt sie an die Käuferinnen weiter.

Dass Erinnerungen über die Mode weitergegeben werden, finde ich unglaublich charmant. Wie funktioniert diese Weitergabe und warum ist so wichtig?
Bei meinen Besuchen erzählen mir die Seniorinnen ihre persönlichen Erinnerungen, die sie mit den Kleidungsstücken verbinden. Die Kleidergeschichten werden aufgeschrieben und an die neuen Besitzerinnen weitergegeben. Für mich persönlich sind es gerade diese Kleidergeschichten, die deutlich machen wie einzigartig und wertvoll die Kleiderschätze tatsächlich sind. Dass zum Beispiel nicht „nur“ eine Bluse gekauft wurde, die bereits getragen wurde, sondern dass diese Bluse aus den 70er-Jahren stammt und über 40 Jahre liebevoll und sorgfältig aufbewahrt wurde. Wenn man sich den Wert des Kleidungsstückes bewusst wird, wertschätzt man es automatisch mehr. Und das ist in der heutigen Wegwerfgesellschaft wichtiger denn je.

Also Mode mit Seele, die außerdem nachhaltig ist…
Ja genau. Durch die Verlängerung der Lebensspanne der Kleiderschätze entsteht eine Gegenbewegung zu Fast Fashion.

Stichwort Fast Fashion: Wo siehst du aktuell die größten Probleme in der Textilindustrie?
Die größten Probleme liegen für mich klar in den Billigproduktionen und der Kurzlebigkeit der Kleidung, bedingt auch durch den schnellen Wandel von Modetrends. Als Modeliebhaberin finde ich es natürlich schön, dass sich die Mode wandelt, doch deshalb muss man nicht jeden Trend mitmachen und noch viel wichtiger: nicht alles neu kaufen. Mode wiederholt sich ständig. Daher kann man jeden Trend meiner Meinung nach auch mit „alten“ Stücken sehr gut, wenn nicht sogar besser, da stilechter, nachbilden. Ich denke, es wurde einfach eine lange Zeit nicht hinterfragt wie und unter welchen Bedingungen unsere Kleidung tatsächlich produziert wurde. Umso wichtiger war, dass durch Kampagnen von Greenpeace und anderen Organisationen die Missstände deutlich gemacht wurden.

Und was müsste weiterhin passieren, um diese Missstände zu beheben?
Ich glaube, dass wir bereits auf einem guten Weg sind und das Bewusstsein für nachhaltige und faire Mode immer weiter steigt. Wichtig ist nach wie vor Aufklärung und dass jeder Einzelne sein eigenes Konsumverhalten kritisch hinterfragt, denn das ist der erste Schritt. Ich glaube, ich habe mir noch nie so bewusst neue Kleidung gekauft wie in den letzten beiden Jahren. Und das liegt nicht nur an der Gründung von Oma Klara.

Für Oma Klara hast du wunderschöne Teile zu einer Crowdfunding-Kollektion zusammengestellt, die noch bis Ende der Woche ershoppt werden kann. Was steckt genau dahinter?
Da Oma Klara bislang noch als Ein-Frau-Unternehmen von meiner Privatwohnung aus betrieben wird, wurden zwei Dinge in den letzten Monaten mehr als deutlich: 1. Es fehlt an man- beziehungsweise womanpower und 2. Mein Lager aka Arbeitszimmer platzt aus allen Nähten. Daher konnte in der vergangenen Zeit leider nur eine begrenzte Anzahl der von Seniorinnen angebotenen Kleiderschätze angenommen werden. Über fünfzig Seniorinnen warten derzeit darauf, dass ihre Kleiderschätze bei Oma Klara aufgenommen werden. Um für noch mehr langlebige Mode sorgen zu können, habe ich daher eine Crowdfunding-Kampagne auf Startnext gestartet. Jeder der Oma Klara bei der Crowdunding-Kampagne unterstützen möchte, kann sich entweder ein tolles Vintage Unikat aus der neuen Crowdfunding-Kollektion heraussuchen oder sich ein anderes schönes Dankeschön auswählen.

Mit der Crowdfunding-Kollektion gut aussehen und Oma Klara unterstützen.

Die Crowdfunding-Kollektion macht nicht nur schön, sondern unterstützt auch Oma Klara. Win-Win!

Du hast erzählt, dass deine Wohnung auch als „Oma Klara-Headquarter“ fungiert: Ziehst du irgendwo dennoch eine Grenze zwischen Privatleben und Oma Klara als Job?
Die Grenze ist derzeit noch nicht wirklich da. Am Anfang steckt man natürlich sehr viel Zeit und Energie in den Aufbau seines Unternehmens. Daher wurde an vielen Wochenenden gearbeitet, die Shootings fanden ohnehin an den Wochenenden statt. Da ich Oma Klara alleine aufgebaut habe, war die viele Arbeitszeit aber auch unerlässlich, ohne sie wäre es nicht gegangen. Meist habe ich es auch nicht als Arbeit empfunden, sondern eher als Privileg an der Verwirklichung meiner Idee arbeiten zu können. Doch jetzt ist es tatsächlich an der Zeit, dass Oma Klara von der Privatwohnung in ein erstes eigenes Lager zieht.

An der Verwirklichung meiner Idee arbeiten zu können, empfinde ich als Privileg.

Absolut. Lass uns aber noch einen Schritt zurückgehen: Vor Oma Klara warst du beim LKA und hast angesichts einer Verbeamtung auf Lebenszeit lieber gekündigt. Warum eigentlich?
Ich habe erst viele Jahre nach meiner Lebzeitverbeamtung gekündigt, es lag also nicht an der Urkunde. Im Gegenteil, ich war viele Jahre sehr glücklich in meinem Beruf. Habe dort viele tolle Menschen kennengelernt und die Zeit auch einfach gebraucht, um zu wissen, was ich tatsächlich machen möchte. Irgendwann habe ich gemerkt, dass mich meine Arbeit nicht mehr erfüllt und ich mir dachte, dass es das nicht gewesen sein kann. Das war kein Gefühl, das von heute auf morgen kam, sondern ein Gefühl, das sich über einen langen Zeitraum entwickelt hatte. Ich habe meinen Job gekündigt, bin auf Reisen gegangen und habe Oma Klara gegründet.

Ganz von vorne anfangen, in einer neuen Branche ohne finanzielle Sicherheit – angsteinflößend oder befreiend?
Einfach die richtige Entscheidung. Ich habe es keine Sekunde bereut!

Welche Erlebnisse in den letzten Jahren als Unternehmerin haben dich beflügelt und darin bestärkt, am Ball zu bleiben?
Es war und ist schön zu sehen wie Oma Klara angenommen wird, von den Seniorinnen, den Oma Klara-Kundinnen und auch von den Medien. Ganz am Anfang, als es „nur“ eine Idee war und ich viel am Aufbau von Oma Klara gearbeitet habe, konnten eigentlich die wenigsten Leute etwas damit anfangen. Da war es umso wichtiger, dass man sich nicht verunsichern lässt und weiter an sich und seine Idee glaubt. Als Oma Klara nach dem Launch dann von allen Seiten so toll angenommen wurde, konnte ich es erst kaum glauben.

Und gab es auch Erlebnisse, die dich so zum Verzweifeln gebracht haben, dass der sichere Bürostuhl im LKA doch wieder ganz verlockend erschien?
Ehrlich, es gab keine! Natürlich gab und gibt es viele Momente die alles andere als leicht sind. Das Gründen ist eine wundervolle manchmal aber auch anstrengende Berg- und Talfahrt. Trotzdem habe ich mich keine Sekunde an die Zeit vor Oma Klara zurückgesehnt. Auch wenn es immer wieder Momente geben wird, in denen man sich fragt: „Was mache ich hier eigentlich?“ weiß man eigentlich, dass man genau das Richtige tut.

Und hat Oma Klara dir vielleicht sogar etwas über dich selbst beigebracht, das du vorher gar nicht wusstest?
Gute Frage! Auf jeden Fall, dass ich mich für alle möglichen Themen rund um das Gründen interessiere. Etwas, das ich vorher nicht wusste: Dass ich sehr gerne online arbeite und es schätze, meinen Tag flexibel planen zu können. Und dass man einfach immer wieder über sich hinauswachsen kann.

Naivität gehört zum Gründen dazu.

Nach nun über anderthalb Jahren Oma Klara: Welches Wissen möchtest du gern an alle die weitergeben, die auch in die Selbstständigkeit starten wollen?
In erster Linie an sich und seine Idee glauben. Sich eine tolle Person suchen, die einen in dem was man tut bestärkt und dann loslegen. Ruhig mit etwas Naivität starten, ich bin der Meinung das gehört zum Gründen dazu.

Danke, liebe Mona!

Wer es nicht schon längst getan hat, sollte sich schleunigst durch oma-klara.de stöbern oder Mona auf Facebook besuchen. Bis zum Wochenende könnt ihr auch noch die letzten Unikate der Crowdfunding-Kollektion erstehen. Happy shopping!