„I am angry“ – Chimamanda Ngozi Adichie

Meine Liebe zu Chimamanda Ngozi Adichie begann, als ich Ifemelu kennenlernte. Ifemelu ist die Protagonistin des Romans „Americanah“, der mir vergangenen Herbst in der Buchhandlung meines Vertrauens in die Hände fiel. Buchläden sind schön irrationale Ort. Das Buch, das es schafft bis an die Kasse getragen zu werden, wird herzens- und sinnesbasiert ausgewählt: Mag ich die Farben auf dem Cover? Wie riechen die Seiten beim Durchblättern? Was flüstert das Bauchgefühl beim Lesen des ersten Satzes? „Princeton im Sommer roch nach gar nichts“ – So beginnen Americanah und eine Reihe schlafloser Nächte, in denen ich den 600-Seiter nicht aus den Händen legen konnte.

Chimamanda Ngozi Adichie erzählt die Geschichte der Nigerianerin Ifemelu und wirft aus ihrer Perspektive einen Blick auf Identitätsfragen, Rassismus und Politik. Das Frauenbild, das Ifemelu verkörpert ist stark, selbstbewusst, hinterfragend und intelligent. Kein Wunder, dass mir die Trennung von Ifemelu ziemlich schwerfiel. Ich hätte gern mit ihr auf einer Parkbank gesessen und Gesellschaftsfragen seziert.

Doch während Ifemelu nur zwischen zwei Buchdeckeln existiert, steht Autorin Chimamanda Ngozi Adichie live, real und in Farbe für einen scharfen Sinn sowie die Stärke und die Intelligenz Fragen zu stellen, die Herz und Kern treffen – zum Beispiel in Sachen Feminismus. “What if in raising children we focus on ability instead of gender?” fragt sie unter anderem in ihrem preisgekrönten TED-Talk „We should all be feminists“ von 2012. Adichie nimmt nicht nur den Saal komplett ein, sondern formuliert Feminismus so klar und nahbar wie selten.

The problem with gender is that it prescribes who we should be – rather than recognizing who we are.

Ende 2015 wurde ihr Talk in einem Essay verschriftlicht, das im Rahmen einer Kampagne der Swedish Women’s Lobbby an jeden 16-jährigen Schüler, an jede 16-jährige Schülerin in Schweden verteilt werden soll. Eine großartige Aktion, die Anlass gibt, sich den nach wie vor hochaktuellen TED-Talk von Chimamanda Ngozi Adichie noch einmal anzuschauen:

I am angry. Gender as it functions today is a grave injustice. We should all be angry. Anger has a long history of bringing about positive change, but in addition to being angry, I’m also hopeful. Because I believe deeply in the ability of human beings to make and remake themselves for the better.