Das F-Wort.

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Fehler. Dieses kleine, feine, fiese Wort. Wir werden in dem Glauben groß gezogen, dass wir Fehler unbedingt vermeiden müssen. Doch sind es nicht gerade die Fehler, an denen wir wachsen?

Fehler. Falsch. Misserfolg. Scheitern. Sorgen diese Wörter für schmerzhafte Krämpfe? Nein. Aber dennoch lösen sie negative Assoziationen aus. Denn so ist das: Niemand spricht gerne über Fehler. Außer Multimilliardäre, die in den Achtzigern mal gefeuert wurden oder etwas in die Luft gejagt, daraus aber ein Imperium entwickelt haben – sie erzählen gerne die Geschichten ihres „Scheiterns“.

Solche Storys lesen wir zwar gerne, doch was können wir daraus nehmen? Wir werden derart indoktriniert, dass Fehler und Scheitern unter allen Umständen zu vermeiden sind – dabei sind sie essentiell für Lernprozesse. Nur an Fehlern wachsen wir, lernen dazu und machen es das nächste Mal anders. Das heißt, Fehler an sich sind nicht das, was uns weiter bringt. Es ist der Lerneffekt, der aus ihnen entsteht.

Studien zeigen, dass wir weitaus gestresster sind und es uns schwerer fällt, Aufgaben zu bewältigen, wenn unser Hauptziel darin besteht, Scheitern zu vermeiden. In Extremfällen sorgt diese Selbsteinschränkung zu Blockaden oder gar Burnout.

Wir müssen mit Rückschlägen genauso umgehen wie mit Erfolgen: Drüber reden. Vor allem über eigene begangene Fehler. So wie man einem Freund zuhört, ihm Ratschläge gibt und sagt „Komm, ist doch nicht so schlimm. Dann weißt du’s nächstes Mal besser“, müssen wir auch zu uns selbst sein.

Da ist es doch tröstlich, dass langsam eine Bewegung entsteht, die dafür plädiert, offener über eigene Fehler und Misserfolge zu sprechen. Im ganzen Land sprießen mittlerweile so genannte „Fuck Up Nights“ aus dem Boden: Vorträge von vermeintlich Gescheiterten vor interessiertem Publikum. Mit einem Bierchen lauscht man den Geschichten von Stolpersteinen, Fehleinschätzungen und Irrtümern. So lernt nicht nur das Publikum aus dem Scheitern des Redners, auch der Mensch auf der Bühne lässt seine Story Revue passieren und bekommt auch noch Beistand aus dem Publikum. Win-Win statt Fail.

 

Wie James Joyce schon schrieb: „Fehler sind das Tor zu neuen Entdeckungen.“ Und können für Motivation sorgen, es beim nächsten Versuch anders zu machen. Denn unsere Fehlentscheidungen zeigen Grenzen auf, wir vergegenwärtigen uns, an welchem Punkt wir stehen, wo es eigentlich hingehen soll – und dass wir uns eine neue Strategie überlegen müssen, um das Ziel zu erreichen. Ist das nicht ein Erfolg?