Ein kreatives Leben – Fotografin und Designerin Laura Schmedes

Bild: Laura Schmedes
„To live a creative life,
we must lose our fear of being wrong“

Joseph C. Pearce

Fotografin und Diplom Designerin Laura Schmedes im Portrait

 

Studium | Kommunikationsdesign
Schwerpunkte | Branding/Corporate Design
Projekte | Ein bunter Mix aus allem, was Design und Werbung zu bieten haben: Konzeption und Entwicklung von Kampagnen, Produkten und neuen Marken, aber auch Illustration und Fotografie
Interessen/Hobbies | Fitness, Kochen, Internetblogs interessanter Menschen
Ort zum Ausruhen | Café Flayva in Dortmund
Ort zum Verrücktsein | Verrückt muss man spontan sein – das kann überall passieren und ist auch nicht peinlich!
Lieblingsserie als Kind | Art Attack – ich wollte ohne Ausnahme alles nachmachen, aber nirgendwo gab es diesen weißen Bastelkleber!
Social-Media | Behance & Flickr & Facebook

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Kokon Magazin: Du hast gerade dein Kommunikationsdesign-Studium am Institute of Design in Düsseldorf abgeschlossen. Wie bist du darauf gekommen, Kommunikationsdesign zu studieren?

Laura: „Ich war schon immer eins von den Kindergartenkindern, das man eher mit Filzstift und Bastelschere als mit Schüppe und Bagger angetroffen hat – ich hatte also eigentlich relativ früh Spaß daran, eigene kleine Dinge zu erschaffen. Auch in der Schule liebte ich den Kunstunterricht, weit weg von Zahlen und Formeln, einfach nur Pinsel und Farben – irgendwie war das immer wie eine kleine „Auszeit“ von allem anderen. Schon damals antwortete ich auf die Frage nach meinem späteren Berufswunsch immer mit „Irgendwas mit Kunst“. Ich wollte schöne Dinge erschaffen und bestenfalls davon leben können. Mit 14 entdeckte ich Adobe Photoshop und fing an, kleine Collagen zusammen zu schnibbeln, Texte auf Fotos zu platzieren, quasi erste Layouts zu kreieren und ich liebte es! Durch einen Zufall erfuhr ich vom Studiengang Grafikdesign und wusste sofort: „Das will ich machen!“ Seitdem bin ich tatsächlich nie mehr davon abgewichen und war mir immer sicher, dass das genau mein Ding ist. So bin ich dann schließlich auf direktem Weg am Institute of Design (IN.D.) gelandet.“

Und warum ausgerechnet diese Hochschule?

„Während meiner Recherche nach Designschulen in NRW stieß ich unter anderem auch auf das IN.D. Damals wurde ein „Open House“, eine Art Tag der offenen Tür, angeboten, an dem die Studenten ihre Arbeiten präsentieren konnten. Abiturienten und Interessierte konnten so das Institut und das Leben dort kennenlernen. Ich weiß noch, dass ich durch die Tür kam und mich direkt „richtig“ gefühlt habe – die ganze Schule lebte den Begriff Design. In jedem Raum gab neue Dinge zu entdecken, alles war liebevoll und kreativ gestaltet und die Menschen waren freundlich und offen für Fragen und Gespräche. Eine Studentin sagte mir damals: „Hier kennt jeder jeden, wenn man sich auf dem Flur trifft. Hier bist du nicht bloß eine Nummer in der Kartei.“ Dem kann ich bis heute zustimmen. Wer Spaß an gutem Design hat und eine Menge Motivation mitbringt, kann hier vieles mitnehmen und lernen.“

Dein Studienschwerpunkt ist Branding, aber eine deiner Leidenschaften ist die Fotografie, oder?

„Ja, zur Fotografie bin ich gekommen, weil ich es schon immer mochte, Momente in meinem Leben festzuhalten. Zuerst fotografierte ich nur mich selbst, später Freundinnen und deren Freundinnen. Das ganze wurde regelrecht zelebriert, als Teenies haben wir uns stundenlang geschminkt und uns Klamotten rausgesucht, um im Anschluss daran ein paar schöne Fotos zu machen. Als mich irgendwann Freunde regelmäßig darum baten, sie zu fotografieren, merkte ich, dass den Menschen meine Fotos gefielen. Der Gedanke das ganze „professionell“ aufzuziehen entstand, als mich plötzlich völlig fremde Personen auf Shootingtermine ansprachen. Seit 2011 bin ich nun gewerbliche Fotografin mit eigenem kleinen Studio, fotografiere die verschiedensten Menschen für unterschiedlichste Anlässe und habe seitdem viel Neues dazugelernt und viele interessante Menschen kennenlernen dürfen.“

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Wer deine Arbeiten sieht, entdeckt vor allem Portraitbilder, oft aufgenommen in der Natur oder in industriellen Umgebungen. Prägt dich deine Umgebung, wie wählst du Orte für deine Aufnahmen aus?

„Ich liebe die Portraitfotografie. Das Besondere daran ist, den Charakter oder die Persönlichkeit eines Menschen im Foto zu unterstreichen. Oftmals schaue ich beim Bahn- oder Autofahren aus dem Femster und entdecke tolle Plätze, dann kommen mir meistens direkt Ideen. Vor einem Shooting versuche ich einen möglichst guten optischen Eindruck der Person zu gewinnen, in dem ich mir andere Fotos anschaue und auch darauf achte, wie sich die Person selbst inszeniert: Ist derjenige sehr natürlich? Eher schüchtern oder extrovertiert? Klassisch oder ausgeflippt? Danach mache ich mir Gedanken, wo ich mir diese Person gut vorstellen kann und Model und Kulisse ein besonderes Gesamtbild ergeben. Dabei gehe ich sowohl nach gängigen „Klischees“ als auch völlig konträr vor. Ein zartes Mädchen im Abendkleid kann in einem Garten voller Blüten wunderschön aussehen, jedoch auch in einer verlassenen Fabrikhalle absolut fantastisch wirken. Ich liebe es auch, neue Orte mit der Kamera zu erkunden. Ich berate jeden gerne und gebe Tipps, letztendlich entscheidet natürlich immer der Kunde, wo er sich am liebsten sieht. Besonders freue ich mich, wenn jemand mir und meinem Auge vertraut und sich auf Neues einlässt – umso schöner, wenn die Bilder hinterher klasse werden.“

Man sieht auch überwiegend Frauen, hat das einen bestimmten Grund?

„Ich denke, dass Mädchen und Frauen im allgemeinen mutiger sind, wenn es darum geht, vor der Kamera zu stehen. Das ist ziemlich schade, ich würde gern mehr Jungs und Männer vor der Linse sehen. Viele empfinden es als sehr weiblich, sich zurecht zu machen, um eine Art Model zu sein und können sich vielleicht mit dieser Rolle weniger identifizieren. Mädchen unter sich fotografieren sich ja häufiger und haben somit auch mehr Übung und einfach ein anderes, sicheres Gefühl. Männer sind oft unsicherer, als sie zugeben wollen. Meine Botschaft an alle Jungs da draußen: Traut euch!“ [lächelt]

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Du steckst also viele Gedanken, viel Energie in die Fotografie – hast du denn nie überlegt, direkt Fotografie zu studieren?

„Doch, klar hatte ich auch schon mit dem Gedanken gespielt, Fotografie zu studieren, aber ich hab mir dann immer wieder die Frage gestellt: „Laura, wo siehst du dich in 10 Jahren?“ Und irgendwie habe ich mich eher im Bereich Design gesehen. Vor allem aber wollte ich mich weiterentwickeln und auch andere Bereiche in der Medienwelt kennenlernen, um herauszufinden, wo meine Reise hinführt und was mir noch liegt. So habe ich beispielsweise auch meine große Leidenschaft für Corporate Design entdeckt und hoffe, dass ich in diesem Bereich noch viele Projekte begleiten darf. Mein Traumjob wäre es, Teil einer kleinen bis mittelgroßen Designagentur zu sein und zusammen mit einem Team an spannenden Projekten zu arbeiten, bei denen ich gelegentlich auch fotografisch aktiv sein kann.“

Muss man deiner Meinung nach in der heutigen Medienwelt also ein Multitasker sein?

„Schwierig zu beantworten. Scheinbar werden die Ansprüche an einen Job immer größer, damit wächst natürlich auch der Druck. Ich finde es zwar toll, wenn man viele Bereiche beherrscht, jedoch glaube ich, dass es wichtiger ist, sich einer Sache wirklich mit Herz und Seele zu widmen und seinen Schwerpunkt festzulegen, als alles, aber dann nur „so lala“ zu können. Vieles kommt sicherlich auch im Laufe des Lebens Berufserfahrung hinzu, man hilft mal einem Kollegen, man schaut hier und da mal über eine fremde Schulter und kann so neue Bereiche erschließen. Ich finde am wichtigsten, welche Person vor mir sitzt, welche Ideen und Visionen dieser Mensch hat und nicht, ob derjenige statt fünf besser sieben Programme bedienen kann.“

Wenn wir gerade bei Menschen sind: Wer inspiriert dich?

„Fotografen wie Julia Trotti oder Mario Testino inspirieren mich mit ihren Arbeiten und ihrer Authentizität. Ich kann mir stundenlang Bücher oder Bilderreihen von ihnen anschauen. Kristian Schuller ist für mich der König der Inszenierung, auch diese Form der Fotografie finde ich absolut faszinierend! Oftmals inspirieren mich aber auch Menschen im Alltag, die besonders zielstrebig sind, wie z.B. die Fitness-Youtuberin Sophia Thiel.“

Fotos: Laura Schmedes

Fotos: Laura Schmedes

Was rätst du jungen Fotografen und Designern, die in der Kreativszene Fuß fassen wollen?

„Seid neugierig und motiviert, lasst euch auch mal auf Neues ein und geht mit offenen Augen durch die Welt. Ich denke, gerade in der Branche ist es wichtig, dass man Leidenschaft und Begeisterung ausstrahlt, denn sonst kann man andere nicht für seine Arbeit begeistern. Mir selbst hat immer ein Zitat weitergeholfen, wenn ich mich zu sehr in Frage gestellt oder mit anderen verglichen habe: „To live a creative life, we must lose our fear of being wrong” – das sollte man sich merken.“