Elektrokunst

Bild: bossfight.co

Kunst und Technik, passt das zusammen? Wie Topf und Deckel, findet die schwedische Sängerin Robyn, die für ihre Elektro-Pop-Songs („With every heartbeat“, „Call your girlfriend“) bekannt ist. Sie veranstaltete im April in Zusammenarbeit mit dem KTH Royal Institute of Technology ein Festival in Stockholm: „Tekla“, eine Veranstaltung für junge Mädchen im Alter zwischen 11 und 18 Jahren, um das Interesse an MINT-Berufen zu wecken.

Karrieren in den Bereichen Mathematik, Informatik, Natur- und Ingenieurwissenschaft und Technik (MINT) sind immer noch männerdominiert, nicht nur in Schweden, auch hier in Deutschland. „Tekla ist ein Festival für Mädchen, das Beispiele für Perspektiven in technischen Berufen in einem unterhaltsamen und erfinderischen, kreativen Umfeld zeigt“, sagt Robyn, die beim Festival auch auf der Bühne stand. Daneben gab es Workshops u.a. in den Bereichen Programmierung, Robotik, 3D-Druck, Spieleentwicklung und Elektromusik.

Solch eine Veranstaltung, bei der die Grenzen zwischen Kunst und Technologie verschwinden um spielerisch auch jene Grenzen zu überwinden, die gesellschaftlich herrschen und viele Frauen davon abhalten, „Männerberufe“ zu wählen, fehlt hier in Deutschland noch. Dabei ist es essentiell, von verstaubten Denk- und Verhaltensmustern abzuweichen. Viel zu viele Entscheidern denken immer noch, Programmierer, Entwickler, IT-Experten und Ingenieure müssten männlich sein.

Einige Projekte, die junge Frauen und Mädchen unterstützen, ihr technisches und naturwissenschaftliches Interesse zu vertiefen, gibt es in Deutschland bereits, hier eine Auswahl:

Girls’ Day | Eins der bekanntesten Projekte – ein Mal im Jahr öffnen Unternehmen männerdominierter Berufe ihre Türen für einen „Schnuppertag“ für Mädchen.

mst|femNet | Hinter dem etwas sperrigen Namen verbirgt sich ein Netzwerk für Mädchen in MINT-Berufen, initiiert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Details gibt es in der Infobroschüre (PDF, 3 MB)

Girls-Do-Tech.de | Übersicht über Mädchen-Technik-Projekte des Landes und der Regionaldirektion Baden-Württemberg der Bundesagentur für Arbeit

Logisch! Frau! | Ebenfalls aus Baden-Württemberg: Die Initiative „Frauen in MINT-Berufen“, auf der Seite gibt es einen „Schnelltest“, der verrät, welcher MINT-Beruf zu einem passen könnte

Roberta | Eine Initiative des Fraunhofer IAIS für eine gendergerechte Technikbildung in der Schule, beruflichen Lehre und Hochschule

Geekettes | „Women in Tech“, die auch andere Frauen unterstützen möchten

Fiona lernt programmieren | Ein Blog, das Fiona begleitet und dabei spannende, hilreiche Tipps rund um Programmieren und Computer-Tüfteln gibt

Solche Initiativen sind der richtige Weg, um Grenzen in den Köpfen zu überwinden – sowohl bei Frauen, die gehemmt sind, vermeintlich männliche Berufe auszuüben, als auch bei Männern, die kaum Erfahrungswerte mit weiblichen Kolleginnen in Technikberufen haben und daher lieber auf Vorurteile setzen. Dass wir uns selbst derart einschränken und strikt zwischen Kunst, Technik, kreativ, pragmatisch, männlich, weiblich trennen, ist auf Dauer nicht förderlich. Stattdessen sollte es viel mehr Projekte wie das „Tekla“-Festival geben, bei dem Wissen spielerisch vermittelt wird, um Interesse in Bereichen zu wecken, die in unserer Gesellschaft bisher noch als männlich oder weiblich gelabelt ist.