„Hinschmeißen ist keine Option“ – Felicia & Jasmin vom STRAIGHT Magazin

Jasmin Acar, Felicia Mutterer - STRAIGHT

STRAIGHT – das klingt nach Stärke, Selbstbewusstsein und Offenheit. Und wer sich einmal durchs STRAIGHT Magazin geblättert hat, wird feststellen: Genau so sieht’s aus. Das Magazin für Frauen, die Frauen lieben, spricht nicht nur offen über lesbischen Lifestyle, sondern stellt vor allem unterschiedliche Lebensmodelle, Gesellschaftsfragen und beeindruckende Frauen in den Fokus. Da ist es natürlich kein Zufall, dass die beiden Macherinnen, Felicia Mutterer und Jasmin Acar, auch so ziemlich beeindruckend sind. Es folgt der Beweis:

Felicia

Leben ist… unplanbar und besonders schön, wenn die Zeit keine Rolle spielt.
Lieben ist… Glück.
Feminismus ist… sich Errungenschaften und Ungerechtigkeiten bewusst zu sein und selbstbewusst mit dem eigenen Frausein umzugehen und für sich einzustehen.
Wer mich beeindruckt | Menschen, die selbstlos handeln. Alternativ: Sibylle Berg. Diese Frau holt mich mit ihren Schreibkünsten und Theaterstücken eigentlich immer ab. Schonungslos auf den Punkt.
Stimmungsheber-Song | ICE ICE BABY
Schmeckt immer | Leider – Nutella und New York Cheesecake.
Meine persönliche Superkraft | Balltalent
Eine Nacht durchtanzen will ich mit… vielen Freunden

Jasmin

Leben ist… Herausforderung und die Schule mit den unerwartetsten Ergebnissen.
Lieben ist… nur eine Aufgabe des Lebens.
Feminismus ist… die Möglichkeit neu zu denken.
Wer mich beeindruckt | Menschen mit Drive und Mut.
Stimmungsheber-Song | Aktuell „U&U“ von Planningtorock
Schmeckt immer | Popcorn.
Meine persönliche Superkraft | Ruhe und ein Knie aus Titan
Eine Nacht durchtanzen will ich mit… Peaches und meinen Freunden

Straight Magazin

Die aktuelle STRAIGHT steht als Doppelausgabe in den Regalen.

Ihr Lieben, was muss man eigentlich machen, um straight zu sein?
Felicia: In unserem Fall: Schreiben, designen oder fotografieren können – plus offen sein, Frauenschwäche haben und alles mit JippieJayGay hashtagen.
Jasmin: Frauen lieben. Experimentierfreude und Freude an Kommunikation haben.

Und was bedeutet „straight“ für euer gemeinsames Print-Baby?
Felicia: Dass wir gerne unseren eigenen Weg gehen. STRAIGHT – das ja im Englischen für geradeaus, offen, ehrlich steht – passt perfekt: Wir machen, was wir machen straight und selbstbewusst. Und wir pfeifen schmunzelnd darauf, dass die Welt bislang damit Heterosexualität verbindet.

Apropos: STRAIGHT ist in erster Linie ein Magazin für Frauen, die Frauen lieben. Ich persönlich küsse lieber Männer, aber ich lese die STRAIGHT lieber als jede Glamour oder Cosmopolitan. Wie konnte das denn passieren?
Felicia: Sapperlot, das freut uns und ist Absicht. Wir setzen auf Inklusion. Bei Liebes- und Lebensformen sind wir straight frauenliebend, ansonsten behandeln wir Themen, die körperliche Nähe zu Frauen nicht voraussetzen. Das alles machen wir im eigenen Stil. Die Freiheit haben wir. Und: Bei uns ist Tiefgang erlaubt.
Jasmin: Ich schließe mich Felicia da an. Wir wollen übergreifend interessant sein.

Lesben sind doch an vielen Stellen quasi gar nicht existent.

Und das seid ihr. Welche Bedeutung hat es denn für die lesbische Community, dass STRAIGHT jetzt in den Zeitungsregalen steht?
Felicia: Sie hat schlicht mehr Auswahl und mit STRAIGHT ein hochwertiges journalistisches Produkt. Außerdem bringt das mehr Sichtbarkeit für die frauenliebenden Frauen mit sich. Das ist gut. Lesben sind doch an vielen Stellen quasi gar nicht existent. Da hilft STRAIGHT mit, etwas zu ändern.
Jasmin: Genau. Außerdem mag ich es persönlich facettenreich. Das gilt auch für das Medienangebot. STRAIGHT bereichert eine Zielgruppe, die sehr viel mehr zu bieten hat, als sie es bislang tut.

Warum habt ihr euch dabei für Print entschieden, wo es sich in der Medienwelt ja gern „Print ist tot“ schreit. Warum ist es euch wichtig, dass man STRAIGHT auch haptisch erleben kann?
Jasmin: Also wer den Duft von frisch gedruckten Magazinen oder Büchern nicht liebt, dem kann ich auch nicht mehr helfen. Zudem ist uns das Magazin wichtig, um greifbare Präsenz zu üben. Ein Magazin spricht einfach auch für sich.
Felicia: Ja! Und: Lesen macht Spaß. Leute sitzen heute den ganzen Tag vor dem Computer oder hängen bei jeder Gelegenheit am Handy. Da hat eine schöne Zeitschrift schon was. Vor allem bei der ausgeruhten Lektüre von tendenziell zeitloseren Themen.

Absolut. Seit dem 24.2. gibt es die dritte und vierte Ausgabe im Doppelpack zu kaufen. Was waren die größten Herausforderungen seit der Gründung? Was habt ihr gelernt?
Felicia: Puh, wo sollen wir da anfangen? Inhalte zu stemmen, ein Magazin zu orchestrieren ist eine Sache, die intensiv ist. Der anstrengendste Teil ist aber sicherlich der geschäftliche, damit am Ende auch die Zahlen stimmen.
Jasmin: Ich glaube, unser Lernprozess ist fortwährend und Herausforderungen begegnen uns seit Beginn tagtäglich – das führt an Grenzen. Trotzdem ist wahrscheinlich genau das unverzichtbar.

Ich bin glücklich, dankbar und demütig, ein eigenes Projekt zu realisieren, das für mich politische Arbeit wie auch Spaß gleichermaßen ist.

Und was waren jeweils eure persönlichen Highlights während der bisherigen STRAIGHT-Zeit?
Felicia: Der Start mit unserem Merkel-Spot, der um die Welt ging, ist sicherlich sehr besonders. Aber das schönste für mich ist das gesamte Projekt: Ich bin glücklich, dankbar und demütig, ein eigenes Projekt zu realisieren, das für mich politische Arbeit wie auch Spaß gleichermaßen ist. Außerdem darf ich das mit einer Frau machen, die ich wunderbar finde.
Jasmin: Es ist wirklich ein sehr gutes Gefühl, ein Projekt zu realisieren, das man selbst füllen und formen darf. Ein Highlight sind sicherlich auch all die Menschen, die helfen, STRAIGHT zu realisieren.

Hattet ihr denn an irgendeinem Punkt richtig die Hosen voll und hättet am liebsten alles hingeschmissen?
Felicia: Hingeschmissen nie. Aber ich habe schon einige schlaflose Nächte hingelegt. Die Herausforderungen sind stets da.
Jasmin: Genau, aber Hinschmeißen ist keine Option, an die wir Gedanken verschwenden. Aber seit STRAIGHT ist mir Unausgeglichenheit auch wieder ein Begriff.

Wie kommt man denn am besten wieder in Balance? Irgendwelche Geheimtipps?
Jasmin: Da helfen intensives Handstandtraining, Popcorn und sanfte Freunde!

Mit euch beiden wird der Verlag Tchakabum inzwischen von einer Doppelspitze geführt. Was macht euch gerade in dieser Kombi unschlagbar?
Jasmin: So unterschiedlich Felicia und ich auch sind, so ziehen wir doch am gleichen Strang. Wir sind sehr ehrlich miteinander und ich glaube ja an die Bereicherung durch Gegensätze.
Felicia: Wir sind tatsächlich komplett unterschiedlich und dabei ticken wir doch gleich. Und vielleicht das Allerwichtigste: Wir vertrauen uns.

Etwas mehr Offenheit und Zügellosigkeit stünden uns auch ganz gut.

Für welche persönlichen Herzensthemen wollt ihr bei STRAIGHT unbedingt Raum schaffen? Worüber sollte eurer Meinung nach viel mehr geschrieben und gesprochen werden?
Felicia: Mir geht es darum, dass bei uns der Mix stimmt. Persönlich habe ich eine Tendenz zu Gesellschafts- und Beziehungsthemen und zu Lifestyle und Mode, vor allem Turnschuhe haben es mir angetan.
Jasmin: Mir liegen Themen am Herzen, die die Akzeptanz und Inklusion von Personen aus der Szene innerhalb der Szene fördern. Hier denke ich an die Themenfelder Gender, Transsexualität und Erotik. Ich denke, etwas mehr Offenheit und Zügellosigkeit stünden uns auch ganz gut.

Ha, ihr ergänzt euch tatsächlich perfekt. Jetzt stellt euch vor, eine gute Fee kommt vorbei und spendiert euch einen Wunsch: Welchen wollt ihr für STRAIGHT wahrwerden lassen?
Felicia: Dass es uns so lange gibt, wie wir Gutes bewirken können und Spaß daran haben. Weitere Visionen sind noch in der Geheimschublade.
Jasmin: Ich würde mir wünschen, dass wir die Möglichkeiten zur Entfaltung bekommen, durch Partner aus der Wirtschaft und begeisterte, konstruktiv-kommunikative LeserInnen.

Welche Tipps könnt ihr in Sachen Selbstständigkeit – vielleicht sogar als Medienmacherin – geben?
Jasmin: Mut, Struktur und Disziplin sind wohl essentiell. Ich übe!
Felicia: Und definitiv: Machen! Und nicht in der Kreativität verlieren, einen Plan vom Geschäft haben sowie mit Herz bei der Sache sein.

Noch eine Abschlussbotschaft an alle (lesbischen) Frauen da draußen?
Jasmin: Er meinte es anders, aber ich halte mich auf gewisse Weise an Loriot: „Ein Leben ohne Möpse ist möglich, aber sinnlos.“
Felicia: #JippieJayGay

Danke, Jasmin und Felicia!


Wer sich jetzt verliebt hat – und die Chancen dazu stehen mehr als gut – findet STRAIGHT auch online, auf Facebook, Twitter und Instagram sowie natürlich bei best ausgestatteten Zeitschriftenhändlern. Nix wie hin!