„Hürden gehören einfach dazu“ – Liz Entin macht Jungdesigner sichtbar

Liz Entin

Geistesblitze schlagen oft dann ein, wenn man sie am wenigsten erwartet. Für Liz Entin passierte genau das vor fünf Jahren auf einem Backpacking-Trip durch Thailand: Ein Blog, der Jungdesigner von überall her zusammenbringt – den müsste es geben! Gesagt, getan: Liz gründete Runway Passport und investiert seitdem Herz und Zeit in ihr Startup. Bald wurde aus dem Blog ein Online-Shop, der die Kreationen aufstrebender Designer aus aller Welt anbietet – sei es aus Italien, Australien oder Ghana. Wie sich ihr Leben als Gründerin anfühlt und ob sie jemals aufgeben wollte, erzählt uns Liz am besten gleich selbst.

Kokon Magazin: Liz, wie fing das eigentlich an, mit dir und der Modebranche?
Liz: Ursprünglich fing bei mir alles mit Praktika an. In der PR, bei Harper‘s Bazaar und Vogue. Später habe ich als Stylistin gearbeitet und nahm mir anschließend für ein paar Monate eine Auszeit, um durch Thailand zu reisen.

…hier kam dir auch die Idee zu Runway Passport…
Ja, genau. Mir wurde klar, dass wir für die Mode-Magazine nur Designer aus New York, London, Paris und Mailand berücksichtigten. So viele Designer von überall her blieben unsichtbar. Also entschied ich, das zu ändern und Runway Passport zu launchen. Zunächst als Blog, der von Fashion Weeks berichtet. Doch es gibt so viele Designer, die nicht an Fashion Weeks teilnehmen und deswegen verborgen bleiben. Deswegen ist Runway Passport inzwischen ein Online Shop, der Stücke von jungen Designer aus aller Welt anbietet.

Aus aller Welt – das klingt nach einer Herausforderung. Wie funktioniert das internationale Arbeiten?
Durch unsere Struktur klappt das alles sehr gut. Natürlich ist es eine große Bereicherung, wenn ich die Möglichkeit habe, unsere Designer persönlich zu treffen und kennenzulernen, aber das ist nicht immer möglich. Wir haben großartige Kuratoren in den einzelnen Städten und Ländern, denen ich komplett vertraue. Die Kuratoren unterstützen uns dabei, Designer zu finden, treten mit ihnen in Kontakt und sind Ansprechpartner.

www.runwaypassport.com

Frisch gelauncht: Runway Passport lädt zur Designer-Weltreise

Was sagt deine Erfahrung: Unterschätzt man, was es bedeutet, ein eigenes Unternehmen zu gründen?
Oh mein Gott – ja! Es ist so viel anstrengender und so viel mehr Arbeit als ich mir am Anfang vorgestellt habe. Du stößt auf Hindernisse, und zwar ziemlich hartnäckige, die du nicht vorausgesehen hast. Sei darauf vorbereitet, dass es um einiges härter wird und dass vor allem alles länger dauert, als du dachtest. Dennoch: Nichts, was ich gemacht habe, hat sich so sehr gelohnt wie zu gründen. Jede Minute Stress und Kampf sind es wert.

Gibt es dennoch Momente, in denen du denkst: „Ich gebe auf, ich kann nicht mehr“?
Im Grunde kommen diese Momente jede Woche, jeden Tag. Dein eigener Chef zu sein ist hart, risikoreich und unheimlich.

Und dennoch bist du am Ball geblieben…
Ja. In diesen schwierigen Momenten ist es am besten, einen Schritt zurückzugehen, um den Stress zu verdauen, eine Lösung zu finden und der nächsten Motivationswelle wieder Raum zu geben. Manchmal hilft es mir schon, mir Zeit zum Durchatmen zu nehmen, einen Spaziergang zu machen oder ich treffe mich mit Freunden auf einen Kaffee. Außerdem: Runway Passport ist ein Startup und Erfolg zu haben, ist nun mal nicht einfach.

Könntest du dir denn vorstellen, ganz „klassisch“ angestellt zu arbeiten?
Nein. Ich weiß, dass mich ein klassischer Job langweilen würde. Ein eigenes Unternehmen ist also der richtige Weg für mich – trotz der Herausforderungen. Hürden gehören einfach dazu – zu jeder erstrebenswerten Karriere.

Hürden überwinden, Herausforderungen annehmen – wie hat dich das persönlich verändert?
Mein Selbstbewusstsein ist gewachsen und ich packe die Dinge jetzt einfach an. Ich war schon immer zielstrebig, aber jetzt ist einfach keine Zeit mehr, um alles in Frage zu stellen. Ich muss schneller und entscheidungsfreudig sein. Natürlich gibt es einige große Entscheidungen, die mehr Bedenkzeit brauchen. Dennoch: Es gibt keinen Raum für ständige Zweifel wie „klingt diese Mail gut?” oder „ist es okay, wenn ich diese Person kontaktiere?” – Go for it!

Gestatten: Liz‘ persönliche Assistentin Peanut

Gestatten: Liz‘ persönliche Assistentin Peanut

Wie würdest du für dich „Erfolg“ definieren? Hängt Erfolg vom Beruf ab?
Nicht nur. Erfolg bedeutet für mich sowohl in meiner Karriere als auch in meinem Privatleben aufzugehen. Zum einen wünsche ich mir, dass Runway Passport für alle, die neue Lieblingsdesigner entdecken wollen, der Ort wird, an dem sie zuerst suchen. Dass sie Designer entdecken, auf die sie sonst nie gestoßen wären. Zum anderen wünsche ich mir privat ein Leben voller großartiger Freunde, eventuell einer eigenen Familie und Tiere um mich herum.

Ist Geld auch ein Aspekt von Erfolg?
Es wäre auf jeden Fall schön, finanziell unabhängig zu sein, sich keine Sorgen machen zu müssen und auch zurückgeben zu können: Großartig wäre es, wenn ich eines Tages eine Tierrettungsgruppe ins Leben rufen könnte. Oder wenn ich junge Designer finanziell unterstützen könnte, ihre erste Kollektion auf den Weg zu bringen.

Wenn du jungen Gründerinnen einen Ratschlag geben könntest, welcher wäre das?
Bleibt dran! Es gibt keinen Weg, seine Träume zu erfüllen, ohne dass es hart wird. Aber: Das ist es wert.

Lust auf Designer-Weltreise zu gehen? Besucht Liz hier, auf Facebook und Instagram.