„Irgendwie geht es immer weiter“ – Natalie Brüne ist Gründerin von mymumyourdad.de

Bild: Bernd Schug

Natalie Brüne, 25 Jahre alt, studiert Europäische Kultur und Wirtschaft und ist eine echte Netzwerkerin – Trifft sich gut, denn neben dem Studium investiert sie gerade jede freie Minute in ihr eigenes kleines Netzwerk: mymumyourdad.de hat im September das Licht des Internets erblickt und richtet sich an alle, die für ihre Mama, Oma, den Patenonkel oder Schwiegervater neue Kontakte knüpfen wollen. Mymumyourdad.de ist aber keine weitere Dating-Seite – Nicht-Singles sind ausdrücklich willkommen. Denn manchmal fehlt es nicht am Partner, sondern an Gesellschaft für gemeinsame Theaterabende, Kaffeeklatsch-Freundinnen oder Stammtisch-Kumpanen.

Wir haben Natalie zu Hause besucht und erfahren, dass wir mymumyourdad.de vor allem Natalies Mama zu verdanken haben. Dazu mehr nach dem Mini-Steckbrief…

Stimmungsheber-Song: Grundsätzlich alles von AlunaGeorge und „Somewhere over the rainbow“
Arbeiten ist… positiv. Arbeit kann erfüllen, wenn man mit Herzblut dabei ist.
Leben ist… wundervoll. Edith Piaf hat gesagt: „Es gibt Augenblicke, da möchte man sterben. Aber dann geschieht etwas Neues und man glaubt, man sei im Himmel.“
Freundschaft… kann eigentlich alles.

Kokon Magazin: Natalie, wie ist die Idee zu mymumyourdad.de entstanden?
Natalie: Die Ideen hatten mein Bruder und ich. Circa drei Jahre ist das jetzt her… Unsere Mutter ist alleinstehend und immer viel beschäftigt. Sie kümmert sich um alles, hat mehrere Jobs… Da dachten wir uns, wie schön es wäre, jemanden für sie zu finden – sei es einen Partner, einen Seelenverwandten oder eine Freundin. So ging es los. Ein Jahr später habe ich beschlossen: Ich pack das jetzt an, denn meine Mutter hatte zwar selber schon Online-Kontaktbörsen ausprobiert, aber verlor immer wieder die Lust. Also wollten wir die Suche für sie übernehmen. Es gab bereits Zeitungsannoncen, in denen Kinder nach Kontakten für ihre Eltern suchten, aber online gab es da nichts.

Und diese Lücke wolltest du schließen?
Ja. Erst sollte es nur eine einfache Seite sein, auf der Menschen ihre Anzeigen digital veröffentlichen konnten. Aber die Idee wurde immer größer, professioneller – die Leute sollten eigene Profile anlegen können. Inzwischen ist aus der Idee eine Seite entstanden, für die ich wirklich brenne.

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Auf mymumyourdad.de werden fleißig Kontakte geknüpft – fliegende Herzen nicht ausgeschlossen.

Kannst du rückblickend sagen, wann der Funke übergesprungen ist? Wann aus der kleinen Idee eine Herzensangelegenheit wurde?
Da gab es mehrere Auslöser. Zuerst die Menschen, die von der Idee direkt begeistert waren. Und dann waren da die Leute, die gesagt haben: „Ich werde die Seite auf jeden Fall nutzen.“ Das hat mich total motiviert.

Wie wichtig waren und sind denn generell die Menschen in deinem Umfeld für dein Projekt?
Sehr. Das muss ich wirklich sagen. Wenn ich in den letzten Monaten nicht so viel Hilfe gehabt hätte, hätte das alles nicht geklappt. Es gab viele, die bei der Umsetzung mit angepackt haben. Meine beste Freundin unterstützt mich ungemein und ich freue mich, dass ich meine Lieblingsmenschen für mein Projekt so begeistern kann. Motivation ist auch ein großer Faktor, denn oft denkt man: „Das geht doch nicht, ich schaff’s nicht.“ In solchen Momenten war immer jemand da, der gesagt hat: „Lass dich nicht unterkriegen.“ Das ist ganz, ganz wichtig.

Planst du denn ein kleines Team aufzubauen?
Ja. Wenn wir in einem Jahr ein Team zusammenhätten, wäre das wunderbar.

Was steht sonst noch auf deiner Wunschliste für die Seite?
Ich hoffe natürlich, dass sich in einem Jahr rumgesprochen hat, dass es mymumyourdad.de gibt – auch über Düsseldorf hinaus – und wir viele Anmeldungen bekommen. Und auch wenn Geld und Gewinne von Anfang an kein Thema waren, wäre es auch schön einen Sponsor oder finanzielle Förderung zu bekommen, damit wir langfristiger planen und neue Ideen umsetzen können. Und wenn wir irgendwann mal mit der Seite Geld verdienen, wäre das natürlich auch schön – klar.

Ich find’s schade, dass viele gute Ideen nicht umgesetzt werden, weil Selbstständigkeit oft auch gefürchtet ist.

Dann könntest du dir auch vorstellen, dich selbstständig zu machen und dich deinem eigenen Business zu widmen?
Total. Ich hätte nie gedacht, dass sich mymumyourdad.de so entwickelt. Den Status eines Hobbys hat es schon lange überschritten. Aber ich denke jetzt schon über Selbstständigkeit nach und bin nicht abgeneigt richtig zu gründen. Das war vorher ganz anders. Und ich muss auch sagen: Ich find’s schade, dass viele gute Ideen nicht umgesetzt werden, weil Selbstständigkeit oft auch „gefürchtet“ ist.

Was glaubst du, was man gegen diese Angst tun kann?
Ich finde, man sollte versuchen, diesen Druck, dass Sicherheit das Wichtigste ist und dass der Berufsweg immer möglichst geradlinig sein muss, abzulegen. Das sollte man vergessen und einfach mal das machen, wo man mit Herz dabei ist. So schwierig ist es nämlich gar nicht. Einfach anfangen und irgendwie geht es immer weiter. So war es bei mir auch, es hat sich immer etwas ergeben. Und wenn man alles gegen die Wand fährt, ist es trotzdem eine gute Erfahrung – und macht krisenfester.

Welche Kritik nehme ich an und wie bleibe ich gleichzeitig meiner Idee treu? Das ist eine Gratwanderung.

Apropos Krise: Gibt es etwas, das dich bei der Arbeit an mymumyourdad.de besonders fordert? Deine „persönliche challenge“?
Im Moment ist es so, dass ich viel Feedback und Ideen von außen bekomme. Da ist die Herausforderung zu entscheiden: Was nehme ich an und wie bleibe ich gleichzeitig mir und meiner Idee treu? Eine richtige Gratwanderung. Gleichzeitig geht es auch darum, Kritik nicht zu persönlich zu nehmen und immer zu gucken, was ich daraus ziehen kann. Schließlich will ich, dass sich die Leute anmelden und muss daher wissen, was ihnen gefällt und was nicht.

Was bietet mymumyourdad.de denn, was keine andere Seite bietet? Was zeichnet sie für dich aus?
Zunächst einmal: Es geht nicht darum, eine weitere Singlebörse zu sein. Bei uns suchen Töchter, Söhne, Enkel, Freunde für liebe Menschen aus ihrem Umfeld nach Kontakten – zum Ausgehen, Kaffeetrinken, alles ist möglich. Dafür haben wir eine vertrauenswürdige Seite erschaffen, auf der jeder so viel von sich preisgeben kann, wie er will. Für viele unserer Eltern oder Großeltern ist so ein Profil im Internet befremdlich, deswegen läuft es bei uns ganz unkompliziert und die Suche übernehmen die Töchter, Enkel, Freunde quasi als „Brückenbauer“. Das macht die Kontaktaufnahme leichter.

Hast du denn schon jemanden für deine Mama gefunden?
Ja, doch! Total nette Freizeitkontakte: Meine Mama und ich haben uns mit einem anderen Mutter-Tochter-Paar zum Frühstück getroffen. Es war total schön und ungezwungen. Beim nächsten Mal treffen sich unsere Mütter dann allein. Außerdem habe ich Kontakt zu einer Tochter, deren Vater neu nach Düsseldorf gezogen ist und es wäre klasse, wenn man sich bald treffen würde.

mymumyourdad Gruppe

Yay! Family business bei mymumyourdad.de

Natalie, zum Abschluss: Wenn du so auf die letzten Monate und die Entwicklung von mymumyourdad.de zurückschaust. Was geht dir durch den Kopf?
Wenn ich jetzt das Ergebnis anschaue, gerade weil ich am Anfang nur so eine kleine Seite im Kopf hatte, muss ich wirklich sagen: Da habe ich mich am Anfang unterschätzt. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das so professionell hinbekomme. Und das ist schon für‘s Selbstwertgefühl super. Da muss ich mir jetzt auch mal selber auf die Schulter klopfen (lacht).

Yes, absolut! Und wer selbst auf der Suche nach neuen Kontakten für Mama, Opa & Co. ist, sollte deswegen schleunigst bei mymumyourdad.de vorbeischauen. Auf Facebook hält euch Natalie über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden – zum Beispiel zum Event in Kooperation mit TeamEscape am 20.11., für das es noch freie Plätze gibt.