KON-FRON-TA-TION

Bild: Gratisography
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Wenn man zwar die gleiche Sprache spricht, sich aber dennoch nicht versteht.

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert Konflikt als „Prozess der Auseinandersetzung, der auf unterschiedlichen Interessen von Individuen und sozialen Gruppierungen beruht und in unterschiedlicher Weise institutionalisiert ist und ausgetragen wird.“

Konflikte begegnen uns überall – im Straßenverkehr, mit dem Ticketautomaten, dem Wetter, der Zeit – und wir stellen uns ihnen, wir schreien Autofahrer an, verfluchen das Wetter, tippen auf die Uhr. Doch wenn wir mit den Arbeitsweisen von Kollegen nicht zurecht kommen, vermeiden wir Konflikte. Ärger im Büro, das geht doch nicht.

Dabei reinigt Gewitter doch bekanntlich die Luft.

Warum sträuben wir uns davor? Warum schlucken wir so lange, bis wir einen Kloß im Hals haben und somit umso weniger konkret argumentieren können, was genau das Problem ist? Irgendwann gibt es nicht mehr den einen Prozess, der schief gelaufen ist, und den man optimieren muss, bald gibt es hunderte Miniprobleme wie Nadelstiche auf der Haut.

Im Büro gibt es die unterschiedlichsten Charaktere, genau wie auch dem Schulhof. Nur konnten wir uns damals unsere Weggefährten aussuchen, heute werden sie uns vorgesetzt.

So unterschiedlich Menschen sind, so variable sind natürlich auch ihre Fähigkeit, Kritik zu verarbeiten bzw. zu äußern und Konflikten „richtig“ zu begegnen.

Eine Binsenweisheit, die in der Psychologie sehr treffend als „kontrollierter Dialog“ bezeichnet wird: Erst denken, dann reden. Befolgt man diesen einfachen Rat, kommt man schon sehr weit. Denn der unliebsame Kollege ist wahrscheinlich eher der Typ Petze/Lästermaul/Angeber, ansonsten würde er uns doch nicht so auf die Palme treiben, oder?

Oder sind wir zu kleinlich? Genau hier kann man auch ansetzen, um Konflikte zu lösen: Die anderen können wir (leider) nicht ändern, aber an uns selbst können wir arbeiten.

Das bestätigt der Psychologe Prof. Dr. Klaus A. Schneewind, dessen Forschungsschwerpunkte Persönlichkeitspsychologie und Familienpsychologie sind: Botschaften, die klare Ansagen enthalten und in Ich-Form verpackt sind, statt vorwurfsvoll „Du, du, du“ hinauszupoltern. Statt „Du Blödmann lädst alle unliebsamen Arbeiten auf mich ab“ also „Ich würde mich freuen, wenn du mir unter die Arme greifen könntest und etwas von den Aufgaben mit erledigst.“ So missfallend das auf den ersten Blick wirken mag. Es bringt uns achttausend Mal weiter als alles hinauszublöken.

Also: Es muss raus, sonst platzen wir. Konfrontationen sind gut, sie schaffen Klarheit und bringen uns weiter – Unwohlsein auszuschweigen bremst uns nur. Aber jede Konfrontation sollte zuvor taktisch überlegt sein und sachlich, ruhig stattfinden. Danach müssen wir dem Kollegen nicht freudig-strahlend um den Hals fallen – Lösungen, die allen gefallen, wird es nie geben – aber wir fühlen uns danach sicherlich freier und erleichterter. Und atmen geklärte Luft.