Mädchen, Mädchen !?

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Geht’s mir gut? Weil ich ’n Mädchen bin?
Ein Kommentar.


Lucilectric – Mädchen – MyVideo

Der 90er-Jahre-Hit „Mädchen“ von Lucilectric feiert die Weiblichkeit, keine Frage. Doch wie steht es über zwanzig Jahre später um das Wort „Mädchen“? Wollen wir noch Mädchen sein? Sind Mädchen heute jene selbstbewussten Wesen, die ihre Stärke kennen und sich nehmen, was sie wollen, wie in diesem Lied besungen?

Ich denke: Nein.

„Mädchen“, so werden heute leider viel zu oft junge Frauen bezeichnet, die eigentlich stark, intelligent und zielsicher sind. Doch ihre Stärke wird ihnen durch diese Bezeichnung genommen, denn das Wort „Mädchen“ hat in den letzten Jahren eine viel zu schwache, negative Bedeutung erlangt.

Heute möchte ich gar kein Mädchen mehr sein. Das heißt: ich möchte nicht noch einmal sieben sein, in der heutigen Zeit, und ich möchte vor allem heute, mit Ende 20, nicht als „Mädchen“ bezeichnet werden.

„Mädchen“, das assoziiere ich (leider) mit Prinzessin Lillifee-spielenden kleinen Gören in pinken Tütüs. Was eine furchtbare gesellschaftliche Entwicklung das überhaupt ist, der ganze getrennte pinke und blaue Kram, dazu ein anderes Mal mehr.

„Mädchen“, das ist ein Wort das Heidi Klum zu oft benutzt. Für die kleinen, dürren Wesen, die sie in ihrer Show Unterwäsche durch Schnee und Lebensmittelmatsch treibt.

„Mädchen“, das ist das Wort, das der siebzigjährige Nachbar beim Heimatbesuch zu mir sagt, nur weil er mich als Vierjährige kannte.

„Mädchen“, das ist ist jedes Mal eine Denunzierung, allein schon wegen des Wortes selbst. Es beinhaltet einen Diminutiv, eine Verniedlichung, etwas Niedliches, von Haus aus. Es heißt nicht Jungchen, nicht Mäd. Es heißt Junge, es heißt Mädchen. Daran gibt’s nichts zu rütteln, schon klar. Doch irgendwie scheint es unterbewusst zur Entwicklung ins Negative mitzuspielen.

Bleiben wir bei der Grammatik: „Mädchen“, das ist heute so weit geschritten, dass das grammatikalische Geschlecht auch bei großen Zeitungen und Fernsehanstalten außer Acht gelassen wird und sie von „das Mädchen hat ihren XY“ sprechen. Nein. Das Mädchen hat seinen XY. Das grammatikalische Geschlecht von „Mädchen“ ist maskulin. Warum verschwindet sogar das?

„Sei kein Mädchen“? „Du wirfst wie ein Mädchen“? „Mädchenkram“? Nein, danke.

„Mädchen“, das ist so ein Wort, bei dem sich mir die Armhaare kräuseln. Weil die Tendenz dahin geht, dieses Wort viel zu lange für Frauen zu nutzen, Frauen, die mitten im Leben stehen und bei weitem nicht der (erschreckenden) negativen Bedeutung, die das Wort mittlerweile hat, entsprechen.