Positives Denken versus WOOP-Methode

Quelle: Death to Stock photography

Positives Denken bringt dich weiter? Von wegen! Zumindest behauptet das Gabriele Oettingen, Professorin für Psychologie an der New York University und der Universität Hamburg.

Seit Ende der 80er Jahre beschäftigt sich die Wissenschaftlerin mit der Frage, inwiefern Optimismus sich auf das Erreichen unserer Ziele auswirkt. Ihre erstaunliche Erkenntnis in ihrem Buch “Die Psychologie des Gelingens”: Think pink hindert uns sogar daran, voranzukommen.

Das ist ein Schock. Vor allem für die zahlreichen Autoren von Ratgeberliteratur, die genau dieses positive Denken seit Jahrzehnten propagiert. Und all diejenigen, die sich jeden Morgen motivierende Sprüche für einen erfolgreichen Arbeitstag reinziehen.

Die Frage ist nur: Warum bringt uns purer Optimismus nicht weiter?

Alles eine Sache der Einstellung

In einem Beitrag für den harvard business manager bringt Oettingen ihre Erkenntnis auf den Punkt:

„Vom erfolgreichen Ausgang einer Situation zu träumen, macht Spaß und vermittelt einem ein schönes, warmes Gefühl der Zufriedenheit. Aber am Arbeitsplatz ist so etwas eher kontraproduktiv, denn dann ist man weniger motiviert, sich zu der intensiven, dauerhaften Anstrengung aufzuraffen, die normalerweise notwendig ist, um ein erreichbares, aber anspruchsvolles Ziel in die Tat umzusetzen.“

Anders gesagt: Wer sich einen positiven Ausgang ausmalt, der hat keinen Drang mehr, sich auch an die Arbeit zu machen, um seine Ziele zu erreichen. Tatsächlich konnte die Wissenschaftlerin feststellen, dass Optimismus zu einem niedrigeren Blutdruck führt und somit die Energie für das Anpacken anstehender Aufgaben sinkt.

Von Wunsch und Wirklichkeit

Gut, könnte man jetzt sagen. Dann werde ich halt Pessimist und booste damit so richtig meine Karriere. Schwarzmalen aber bringt uns auch nicht weiter. Stattdessen empfiehlt Oettingen das so genannte mentale Kontrastieren. Die Methode erinnert ein wenig an die Zielvisualisierung von Spitzensportlern.

Beim mentalen Kontrastieren stellt man sich die Erfüllung eines Wunsches vor – zum Beispiel ein Bericht, der noch geschrieben werden muss. Dem Wunsch stellt man Schwierigkeiten entgegen, die einen daran hindern könnten, das gewünschte Ziel zu erreichen. Das wiederum liefert die nötige Energie, die Aufgabe auch tatsächlich anzupacken.

Ich WOOPe das schon!

Um das mentale Kontrastieren zu erleichtern, hat Oettingen mit ihrem Team die plastisch klingende WOOP-Methode entwickelt. WOOP steht für wish – outcome – obstacle – plan. Man stellt sich dabei einen realisierbaren Wunsch (wish) vor und malt sich aus, was passieren würde, wenn er in Erfüllung ginge (outcome). Im zweiten Schritt denkt man über Hindernisse nach, die das Erreichen des Wunsches stören (obstacle) und leitet im dritten Schritt wirksame Maßnahmen ab (plan).

So einfach das Modell klingt, so vielversprechend ist es. Weitere Studien der Psychologin belegen, dass das mentale Kontrastieren nicht nur in kurzer Zeit den Stresslevel senkt. Es sorgt auch für besserer Kommunikation und erfolgreichere Zusammenarbeit unter Kollegen.

Darüber hinaus kann es dazu führen, dass man sich von Zielen distanziert, die man nicht erreichen kann und sich somit eher auf die Dinge konzentriert, die man tatsächlich will.

Etwas Gutes kann man Optimismus dennoch abgewinnen: Positiv denkende Menschen sind möglicherweise die entspannteren, vielleicht sogar die glücklicheren Gesellen. Erfolgreicher sind sie allerdings nicht.

Du willst dir das Thema genauer ansehen? Hier gibt’s Links zum Nachlesen:

Interview mit Gabriele Oettingen auf SZ Online

Die WOOP-Methode

 

Dieser Artikel ist zuerst auf Jobspotting erschienen. Danke für’s Teilen, liebe Sandra.