Weil es 2015 ist – Trudeau und sein Kabinett

Wenn wir momentan an internationale politische Ereignisse und Wahlen denken, blicken wir zunächst in den Osten, beobachten Wahlkampfentwicklungen in den USA oder sehen Berichte über die ersten demokratischen Wahlen in Myanmar seit 1960. Aber denken wir direkt an Kanada? Dieses Jahr schon – dank Justin Trudeau.

Kanadas neuer Premierminister Justin Trudeau, der im Oktober gewählt wurde, stellte am vergangenen Mittwoch sein Kabinett vor. Spiegel Online titelte mit „Das wahrscheinlich coolste Kabinett der Welt“. Cool? Warum? Weil es den Nerv der Zeit trifft, weil es für Fortschritt und Neuausrichtung steht. Warum? Weil es nicht nur mit über 65-jährigen Herren in grauen Anzügen, die vorher Juristen oder Beamte waren, bekleidet ist, um es hart auszudrücken. Trudeaus Kabinett spiegelt die Gesellschaft seines Landes wider.

Zuallererst: Das neue kanadische Kabinett besteht aus 15 Frauen und 15 Männern. Nach dem Grund für diese Ausgeglichenheit gefragt, antwortete Trudeau der Presse sachlich, mit Selbstverständlichkeit in der Stimme: „Because it’s 2015.“

Wie viel in diesem Satz mitschwingt!

Dass die Frage, warum ihm ein Ausgleich von weiblichen und männlichen Abgeordneten wichtig sei, überhaupt gestellt wird. Doch sie wird gestellt. „Because it’s 2015.“ Gleichberechtigung sollte heutzutage eine Selbstverständlichkeit sein. Für Trudeau ist sie es. Seine Kabinettaufstellung ist ein wirksamer Schritt, diese Selbstverständlichkeit in die Öffentlichkeit zu tragen und gesellschaftlich tiefer zu verankern.

Wir haben das Jahr 2015 und führen die Diskussionen, die unsere Elterngeneration bereits geführt hat. Trudeaus Schritt in die Zukunft, die eigentlich schon lange gelebte Gegenwart sein könnte, lässt hoffen, dass andere Staaten Kanada als Vorbild sehen. (In Deutschland stecken wir ungefähr im Jahr 1952 fest, wie Buzzfeed feststellt.)

Und: Justin Trudeaus 30-köpfiges Kabinett besticht nicht nur durch Gender Equality, sondern dadurch, dass das Thema Diversity gelebt wird, wie dieses Video zusammenfasst:

Viele Kanadier brachten zum Ausdruck, dass sie so etwas wie Nationalstolz empfinden, ein Gefühl, das viele bisher nicht kannten. Dass allein die Zusammenstellung seines Kabinetts des neuen Premierministers Justin Trudeau auch weltweit mediale Aufmerksamkeit und Sympathie entfacht, ist ein gutes Zeichen. Und es ist höchste Zeit. Weil es 2015 ist.