Wie der Einstieg ins Bewerbungsgespräch gelingt

Bewerbungsgespräch

„Erzählen Sie uns einfach mal was von sich?“ – Ich hasse diese Frage. Und doch wird sie immer wieder im Bewerbungsgespräch gestellt. Soll ich jetzt von meinem Freund und meiner Leidenschaft für schmalzige Komödien erzählen? Oder doch lieber woher ich komme und was ich studiert habe? Das allerdings steht auch schon im Lebenslauf…

Viele Bewerber enden bei einer Mischung aus Details, die schon bekannt sind und privaten Informationen, die wirklich niemanden interessieren. Der Schlüssel zu dieser Frage ist ganz einfach Relevanz. Auch wenn sie wie Smalltalk daherkommt, geht es deinem Gesprächspartner darum herauszufinden, ob du der geeignete Kandidat für die ausgeschriebene Stelle bist. Man könnte sagen, es ist die erste Killerfrage deines Job-Interviews.

Zwar gibt es keine Standardantwort (das wäre ja auch langweilig), dafür jedoch mehrere Herangehensweisen, wie du die erste fiese Hürde des Bewerbungsgesprächs souverän meisterst.

Auf den Punkt gebracht
Bei der “Present-Past-Future” aka “Ich bin – ich kann – ich will”-Formel geht es darum, in wenigen Sätzen darzulegen, welche Fähigkeiten und Erfahrungen dich für die Position auszeichnen und ob du die nötige Motivation für den Posten mitbringst.

Die Taktik ist praktisch selbsterklärend. Du beginnst mit deiner aktuellen Situation und Beschäftigung. Du schwenkst dann über zu den Erfahrungen, die du in der Vergangenheit gemacht hast und den Kenntnissen, die du dir aneignen konntest. Zum Schluss gehst du darauf ein, warum gerade die ausgeschriebene Stelle eine hervorragende Zukunftsperspektive für dich ist.

Wichtig ist hier der Bezug zu dem Job, auf den du dich bewirbst. Auswendig gelernte Floskeln geben keinerlei Auskunft über deine Eignung für die Stelle und werden sofort entlarvt. Wenn du also auf deinen derzeitigen Job zu sprechen kommst, erwähne Projekte oder Kunden, die für deinen möglichen neuen Arbeitgeber von Relevanz sind.

Gleiches gilt für Kenntnisse und Erfahrungen: Erwähne die Dinge, die dich für die neue Stelle qualifizieren. Im letzten Teil solltest du deine Begeisterung für die Position und das Unternehmen zum Ausdruck bringen. Mach deutlich, dass du nicht nach irgendeinem Job suchst, sondern das genau die Stelle ist, auf die du hingearbeitet hast.

Und bitte geh nicht stakkatoartig vor. Erzähle eine runde Geschichte, indem du die drei Teile in Verbindung bringst.

Diese Formel eignet sich vor allem in Vorgesprächen und Interviews mit abteilungsfremden Personalern.

“Spinning the Table”
Einen völlig anderen Ansatz vertritt Forbes-Autorin und Gründerin von humanworkplace.com, Liz Ryan. Ihre These: Deinen Gesprächspartner interessiert die Antwort auf seine Frage eigentlich nicht. Schließlich hat er vermutlich schon tausend solcher Geschichten gehört.

Statt die eigene Erfolgsgeschichte auszurollen rät sie daher, auf die Schwachpunkte des Unternehmens einzugehen und Lösungswege aufzuzeigen. Sprich, du drehst den Spieß um und steigst nach einer kurzen Einleitung zu deiner Person direkt mit einer Frage zu möglichen Problemfeldern in eine thematische Diskussion ein. So bringst du dein Gegenüber dazu, über aktuelle Herausforderungen zu sprechen und im Gespräch mit ihm oder ihr gemeinsam Ideen zur Lösung zu entwickeln.

Der Vorteil für deinen Interviewpartner liegt darin, dass er schnell feststellen kann, ob du das Zeug mitbringst, tatsächliche Probleme seines Bereiches zu lösen. Voraussetzung ist, dass du dich sehr genau mit dem Unternehmen und der ausgeschriebenen Stelle auseinandergesetzt hast. Diese Taktik kannst du zudem nur anwenden, wenn du direkt mit deinem möglichen Vorgesetzten oder einer Person aus der jeweiligen Abteilung sprichst. Jemand aus der Personalabteilung wird dir solche spezifischen Fragen nicht beantworten können.

Entscheidend ist, dass du die Frage “Erzählen Sie mal was über sich” nicht als Einladung zu einem netten Pläuschchen bei Kaffee und Keksen verstehst. Genauso wenig solltest du zu einem ewigwährenden Monolog über deine Lebensgeschichte ausholen – das sind alles Informationen, die sich aus deiner Bewerbung ergeben. Werde konkret und mache klar, warum du der perfekte Kandidat für die Stelle bist. Und: Obwohl die Frage ziemlich beiläufig klingt, erfordert sie eine ordentliche Vorbereitung. Spiel sie also vor jedem neuen Bewerbungsgespräch einmal durch.

Was sagt ihr? „Present-Past-Future“ oder lieber „Spinning the Table“? Wie sehen eure Erfahrungen aus?

Danke an Sandra vom Berliner Startup Jobspotting für die Tipps! Jobspottings Meta-Jobsuche bietet personalisierte Stellenempfehlungen aus dem gesamten Netz, die den Fähigkeiten, Kenntnissen und Interessen der Nutzer entsprechen.

Hier hilft Sandra übrigens bei der Entscheidung: Jobangebot annehmen oder weitersuchen?

1 Comment

  • Bisher habe ich diese Frage immer nach dem Schema „Present-Past-Future“ beantwortet oder zumindest versucht. Bin ja auch immer ein wenig aufgeregt und dann verliere ich schon auch mal den Faden. Naja – ist ja immer ganz gut gegangen. Die Idee mit „Spinning the Table“ finde ich sehr verlockend, denn – es stört mich zunehmend, dass ich zwar viel erzählt habe aber der Gegenüber im Job-Gespräch sich schön hinter seiner Jobbeschreibung/Personalabteilung/Hedhunter verstecken kann. Den zukünftigen Arbeitgeber in einer aktiven Diskussion auf den Zahn fühlen – großartig! Das gelingt aber auch nur, wenn man very laid back ist. Eine neue Herausforderung… hihi, freu mich schon, das mal einzusetzen.

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