Wie du das Personalgespräch rockst

Death to stock photograhy; Personalgespräch

Nennen wir es wie wir wollen – Personalgespräch, Mitarbeitergespräch, Entwicklungsgespräch, Gehaltsgespräch oder Jahresgespräch – der gemeinsame Nenner ist offensichtlich das Gespräch. Kein Monolog. Hierbei handelt es sich also nicht um die jährliche One-Man-Performance deines Chefs, in der du wie in einer Casting-Show kritisiert wirst, sondern um die Chance, einmal Tacheles zu reden. Natürlich ehrlich und höflich. Um mit neuen Ideen, hilfreicher Kritik und Verbesserungschancen herauszugehen. Damit du rundum erfolgreich aus dem Gespräch gehst, haben wir ein paar Tipps für dich:

1. Vorbereitung

Für das Mitarbeitergespräch gibt es in Unternehmen zumeist eine Art Checkliste oder einen Leitfaden, den Vorgesetzter und Angestellter vorab erhalten. In Startups hingegen solltest du dich nicht darauf verlassen, dass es so etwas bereits gibt. Ob nun im Unternehmen oder im Startup – du solltest so oder so deinen eigenen kleinen Leitfaden haben, um gut strukturiert und erfolgreich aus dem Gespräch herauszugehen und um Selbst- und Fremdeinschätzung im Gespräch abgleichen und diskutieren zu können. Denn es ist vor allem die Chance, deinem Chef von dir und deinem Können zu berichten, Missverständnissen vorzubeugen oder sie auszuräumen und mit neuer Motivation zurück an den Arbeitsplatz zu gehen.

Eine Frage, die du dir selbst zur Vorbereitung stellen kannst: „Was möchte ich durch dieses Gespräch erreichen? Dass mein Chef meine Leistung anerkennt / meine Fähigkeiten kennt / dass ich befördert werde?“

2. Zuhören

In diesem Gespräch dürfen sich beide Seiten äußern – zu deinem Verhalten und deiner Leistung als Mitarbeiter. Das ruft zunächst schlimme Befürchtungen hervor, denn kein Chef wird sagen „Klasse, du bist besser als ich, übernimm’ den Laden.“ Doch warum so viel Angst vor Negativem? Dein Vorgesetzter wird dich nicht zerfetzen. Er/sie wird das Gespräch zunächst führen und sagen, was besprochen werden sollte. Hör’ gut zu, lass ihn/sie ausreden und ergänze dann deine Themen, die du besprechen möchtest.

Eine Frage, die du deinem Gegenüber hier stellen kannst: „Was sind Ihre Ziele für die Firma im nächsten Jahr? Wie kann ich dazu beitragen?“

3. Aktuelle Rolle

Ein Gespräch ist wie ein Pendel. Du bist nun an der Reihe und erwähnst am besten, was alles gut läuft, wie die Arbeitsatmosphäre ist und was du an deiner aktuellen Position schätzt. Bereite dir vorher eine kleine Liste mit Projekten vor. Erwähne diese erfolgreichen Projekte, so kannst du zeigen, wie gut deine Arbeit bisher ist. Aus der Darstellung deiner aktuellen Position lassen sich Schlussfolgerungen ziehen, was du kannst – und wohin du möchtest.

4. Zukünftige Rolle

Frage, wo dich dein Teamlead in den nächsten Monaten sieht und erwähne selbst, wo du hin möchtest, welche Aufgaben du übernehmen möchtest und was dir liegt – aber auch, was du auch ausbauen möchtest. Frage nach Möglichkeiten zur Fortbildung.

„Ich möchte sehr gerne innerhalb des nächsten Jahres zur (Position X) aufsteigen. Sehen Sie mich dort auch? Was muss ich leisten, um dorthin zu kommen?“

5. Schwachstellen

Dieser Punkt wird wohl oder übel im Gespräch kommen. Entweder der Vorgesetzte erwähnt ihn, oder du leitest selbst aktiv über von deinen Stärken und den Fähigkeiten, die du ausbauen möchtest, hin zu deinen Schwächen. Es ist immer ein Pluspunkt, egal ob ihm alteingesessenen Unternehmen oder im Startup, wenn dein Teamlead merkt, dass du die Situation verstehst und an Lösungen arbeitest. Wenn du deine Schwachstellen adressierst, nenne direkt Verbesserungsvorschläge. 

„Welche Fähigkeiten sollte ich entwickeln/verbessern, um mein Ziel innerhalb des nächsten Jahres zu erreichen?“

6. Ziele definieren 

Du hast deine Schwachstellen erwähnt und dargelegt, wie du sie verbessern könntest, eventuell durch Fortbildungen, Lernen von anderen Teams, besseres Zeitmanagement o.ä. Du hast außerdem deine zukünftige Rolle, welche Aufgaben du für dich innerhalb der nächsten Monate siehst, definiert. Nun gilt es, das Gespräch noch einmal zusammenzufassen und daraus klare Ziele für dich innerhalb der Firma zu stecken. 

7. Festhalten

Erstelle nach dem Gespräch ein Protokoll, um das Besprochene festzuhalten und um eine Gesprächsgrundlage für’s nächste Mal zu haben. Gib deinem Gesprächspartner das Protokoll und frage, wann ihr euch das nächste Mal zusammensetzt. 

„Wann sprechen wir das nächste Mal? Falls möglich, würde ich gerne öfter als jährlich sprechen, einfach um zwischendurch Feedback zu erhalten.“

Natürlich ist es klar, dass du dich nicht erst mit der Einladung zum Gespräch plötzlich voll reinhängen, sondern lieber konstant gute Leistung bringen solltest. Mitarbeitergespräche sollten auch keinesfalls Kritik an der Person sein, sondern nur an der Arbeit. Im Startup kann es aufgrund der familiären Atmosphäre und meist kleiner Teams aber vorkommen, dass das nicht ganz eingehalten wird. So freundschaftlich das kollegiale Verhältnis ist, du solltest nicht außer Acht lassen, dass es sich hier um Arbeit handelt. 

Bei aller Planung ist ein ausgewogenes Maß von Vorbereitung und Spontanität das Beste – auf beiden Seiten. Vorbereitung, um alles anzubringen, was du tatsächlich besprechen möchtest, aber auch Spontanität, um auf Unvorhergesehenes angemessen reagieren zu können. Somit sollte einem erfolgreichen Gespräch nichts im Wege stehen.

Dieser Artikel ist zuerst als Gast-Beitrag im Journal by Jobspotting erschienen.